Ernährung
13. July 2026
8 Min. Lesezeit

Iss Dich Schön Ja Ja ja

Neue Studien zeigen überraschende Erkenntnisse über die Auswirkungen von Intervallfasten auf Stoffwechsel, Gehirnleistung und Langlebigkeit.

Dr. Sarah Meyer

KURZ GESAGT

  • Intervallfasten kann den Stoffwechsel um bis zu 14% steigern
  • Autophagie-Prozesse werden nach 16 Stunden Fasten aktiviert
  • Kognitive Leistung kann sich um 25% verbessern
  • Langzeitstudien zeigen positive Effekte auf die Lebenserwartung

Einleitung

In den letzten Jahren hat intermittierendes Fasten zunehmend an Popularität gewonnen – nicht nur als Methode zur Gewichtsreduktion, sondern als umfassender Ansatz zur Optimierung der metabolischen Gesundheit und kognitiven Leistungsfähigkeit.

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Im Gespräch mit Prof. Dr. Markus Brandt, Ernährungswissenschaftler an 
der Universität Freiburg

Herr Professor Brandt, Intervallfasten ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Was unterscheidet die aktuelle Studienlage von dem, was wir bisher zu wissen glaubten?

Lange Zeit haben wir Fasten vor allem über die Kalorienbilanz betrachtet – wer weniger isst, nimmt ab. Das ist nicht falsch, aber es greift zu kurz. Die neueren Arbeiten zeigen, dass der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme eine eigenständige Rolle spielt. Der Körper reagiert anders auf dieselbe Mahlzeit, je nachdem, ob sie um acht Uhr morgens oder um elf Uhr abends gegessen wird. Das ist eine ziemlich grundlegende Verschiebung in unserem Verständnis.

Können Sie das konkreter machen? Was passiert im Stoffwechsel während einer Fastenphase?

Nach etwa zwölf Stunden ohne Nahrung beginnt der Körper, verstärkt auf seine Fettreserven zurückzugreifen. Die Leber bildet sogenannte Ketonkörper, die als alternativer Energieträger dienen. Gleichzeitig sinkt der Insulinspiegel, was den Zellen eine Art Erholungspause verschafft. Man kann sich das wie einen Wartungsmodus vorstellen, in dem aufgeräumt statt produziert wird.

Sie haben in Ihren Vorträgen oft von einem Effekt auf die Gehirnleistung gesprochen. Ist das messbar oder eher ein subjektives Gefühl?

Beides. Viele Menschen berichten von einer klareren Konzentration in den Fastenstunden, und das deckt sich mit den Daten. Im Tiermodell sehen wir eine erhöhte Aktivität bestimmter Wachstumsfaktoren im Gehirn, die mit Lernfähigkeit und Gedächtnis zusammenhängen. Beim Menschen ist die Forschung noch jünger und die Effekte fallen individuell sehr unterschiedlich aus. Ich wäre vorsichtig mit Versprechen, aber die Richtung ist vielversprechend.

Es kursieren viele Mythen rund ums Thema. Welcher ärgert Sie am meisten?

Die Vorstellung, dass Frühstück zwingend die wichtigste Mahlzeit des Tages sei. Dieser Satz stammt ursprünglich aus einer Werbekampagne, nicht aus der Wissenschaft. Ob jemand frühstückt oder nicht, ist weit weniger entscheidend als die Gesamtqualität dessen, was über den Tag gegessen wird.

Gibt es Menschen, denen Sie vom Intervallfasten abraten würden?

Ja, definitiv. Schwangere, Menschen mit bestimmten Stoffwechselerkrankungen und Personen mit einer Vorgeschichte von gestörtem Essverhalten sollten das nur in ärztlicher Begleitung oder gar nicht versuchen. Fasten ist kein Allheilmittel und sollte nie zum Zwang werden. Wer merkt, dass das Thema Essen die Gedanken zu stark beherrscht, sollte das ernst nehmen und mit einer Fachperson sprechen.

Was würden Sie jemandem raten, der neugierig geworden ist und es ausprobieren möchte?

Klein anfangen. Niemand muss am ersten Tag sechzehn Stunden durchhalten. Es reicht völlig, das Abendessen etwas vorzuziehen und das Frühstück ein wenig nach hinten zu schieben. So gewöhnt sich der Körper sanft an den neuen Rhythmus. Und ganz wichtig: ausreichend trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee.